Auf verschlungenen Pfaden – by Badische Zeitung Germany

Dieser Artikel wurde am 12. Mai 2018 In der Badischen Zeitung Freiburg Druckausgabe veroeffentlicht. Vielen Dank.

This article was published by the Badische Zeitung Freiburg, Germany. The home town of Evelyn. Dank you for the support.

Auf verschlungenen Pfaden (veröffentlicht am Sa, 12. Mai 2018 auf badische-zeitung.de)

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Auf verschlungenen Pfaden

Von Mascha Konzen

Sa, 12. Mai 2018

Freiburg

LEUTE: Die Freiburger Eckhard Gössl und Evelyn Grömminger leben seit 15 Jahren in Ningbo am ostchinesischen Meer.

FREIBURG. Der 61-jährige Eckhard Gössl und seine 65-jährige Frau Evelyn Grömminger leben seit 15 Jahren in der chinesischen Küstenstadt Ningbo. Erst über einige Umwege bekamen sie die Möglichkeit, in China zu leben. Vor zwei Jahren erkrankte Evelyn an Krebs. Zurück nach Deutschland zu kehren, kommt aber für beide nicht in Frage.

Es ist eine lange Reise gewesen, bis Eckhard Gössl und Evelyn Grömminger endlich in ihrer neuen Wahlheimat Ningbo ankamen. Er verbrachte seine Schulzeit, sie machte ihre Ausbildung in Freiburg. Während seiner Arbeit als Kaufmann in Mannheim traf Eckhard Gössl in der Warenhauskette Hertie auf die dort ebenfalls arbeitende Evelyn Grömminger. Sie entdeckten ihr gemeinsames Interesse an China und bewarben sich um einen Job in einem Einkaufsbüro in Hong Kong.

Als daraus nichts wurde, nahmen beide ein Angebot in Nigeria an. Es folgten berufsbedingte Aufenthalte in Zypern und Indien. 2003 bekam Eckhard eine Stelle in einer chinesischen Firma in Ningbo angeboten. Nach fünf Jahren der Zusammenarbeit gründete er mit seiner Frau eine eigene Firma im Onlinehandel.

Es sei nicht schwer gewesen, sich an die fremde Kultur zu gewöhnen, erinnert sich Eckhard Gössl. Das Leben in Ningbo unterscheide sich kaum von dem Leben in einer deutschen Großstadt. “Sprache und Schrift sind anders, aber die Bedürfnisse der Menschen sind die gleichen”, so Gössl. China sei zwar sehr streng konzipiert, aber wer sich an die Regeln halte, habe keine Probleme.

Dass Internetseiten wie YouTube, Facebook und WhatsApp nicht erreichbar sind, stört den 61-Jährigen nicht. Es gebe auch ein Leben ohne diese Dinge. Das Essen spiele in China eine große Rolle – entgegen des Vorurteils stünden Hund und Schlange aber nur in Extremfällen auf der Speisekarte. In den Supermärkten finde man auch Lebensmittel für den europäischen Gaumen. Auf dem Markt könne man sogar Kartoffeln kaufen. “Das Leben ist viel normaler, als man glaubt”, erzählt Gössl.

Das Paar lebt im zehnten Stock eines außerhalb gelegenen Wohnhauses. Innerhalb von 30 Minuten ist die Innenstadt von Ningbo per U-Bahn erreichbar. Die Küstenstadt hat sieben Millionen Einwohner. Sie ist laut Gössl eine der wichtigsten Hafenstädte der Welt und hat ein breites kulturelles Angebot. Im Vergleich zu anderen Städten Chinas ist Ningbo sehr wohlhabend. Die Menschen vor Ort seien sehr ehrlich und aufgeschlossen, sagt Gössl. Das habe sich besonders bei der Behandlung seiner Frau gezeigt.

Vor zwei Jahren erkrankte Evelyn Grömminger an Lungenkrebs. Nachdem das Paar die Behandlung zunächst aus eigener Tasche finanziert hatte, starteten sie mit Hilfe der Tencent News Group über das chinesische WhatsApp-Äquivalent “WeChat” einen Spendenaufruf.

Das Feedback der chinesischen Öffentlichkeit sei enorm gewesen. Eine genaue Zahl möchte Eckhard Gössl nicht nennen, aber durch mehrere Zehntausend Euro sei die medizinische Versorgung Evelyn Grömmingers sichergestellt worden. Beide hätten keinerlei Bedenken, in China nicht eine ebenso gute medizinische Behandlung zu erfahren, wie sie in Deutschland möglich wäre.

Für das Leben nach der Krankheit erhoffen sie sich genug Einnahmen durch ihren Onlineshop. Im Jahr 2016 gründete das Paar einen Rotary Club in Ningbo. Weltweit engagieren sich 1,2 Millionen Mitglieder freiwillig in Rotary Clubs. In der “Migrant Children School” möchten sie Arbeiterkindern im Alter von zehn bis zwölf Jahren zeigen, dass es sich lohnt, einen Traum zu verfolgen. Eckhard Gössl und Evelyn Grömminger hätten die Entscheidung, nach China auszuwandern, nie bereut. Trotz Freunden und Verwandten in Freiburg könnten sich beide nicht vorstellen, nach Deutschland zurückzukehren.

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